„Tote Mädchen lügen nicht“ – Gedanken über den Sinn der zweiten Staffel

Dienstag, 22. Mai 2018


[Achtung: Spoiler für Staffel 1]

Bei Serien gibt es für mich eigentlich nur zwei Optionen: Entweder mir gefällt die Pilotfolge nicht und ich schaue sie nie weiter oder aber ich bin Feuer und Flamme dafür und sauge jede einzelne Folge regelrecht auf – besser bekannt als „Binge Watching“. Letzteres war bei „Tote Mädchen lügen nicht“ der Fall. Obwohl die Geschichte in der ersten Staffel eigentlich abgeschlossen schien, war ich super gespannt auf die zweite Staffel. Diese ist seit dem 18. Mai bei Netflix verfügbar und natürlich habe ich bereits alle 13 Folgen gesehen.

Vorab möchte ich erwähnen, dass alle Charaktere wieder dabei sind. Auch Hannah. Sie kommt sowohl in Form von neuen Rückblenden als auch als irgendetwas zwischen Geist und Gewissen, resultierend aus Clays Gedanken, vor.

Viele Zuschauer sind der Meinung, dass diese Fortsetzung überflüssig sei und nur aus Profitgier produziert wurde. Schließlich ist die Geschichte auserzählt. Aber genau das stimmt nicht, denn bisher kennen wir die Ereignisse ja nur aus Hannahs Perspektive.



Zum Ende der ersten Staffel verklagten Hannahs Eltern die Liberty High, weil diese Anzeichen für den Selbstmord ignoriert habe. Daraufhin kommt es in Staffel 2 zur Gerichtsverhandlung, die gleichzeitig den Rahmen dieser Staffel bildet. Durch die Aussagen werden die Inhalte der 13 Kassetten aus der Sicht der anderen Charaktere erzählt, wodurch so einige neue Erkenntnisse – auch bezüglich Hannah – ans Licht kommen.

Als Medium, das Hinweise liefert, gibt es anstelle von Kassetten jetzt Polaroid-Fotos, die nach und nach Clays Spind landen. Diese Bilder beziehen sich auf die Sportler der Liberty High – insbesondere auf Bryce. Sie haben jedoch auch Auswirkungen auf viele andere Schüler/innen. Besonders Mobbing und sexuelle Übergriffe werden weiterhin thematisiert.

Im Laufe der Staffel versuchen die Charaktere die Folgen und Nachwirkungen von Hannahs Selbstmord zu verstehen und zu verarbeiten. So entstehen neue Freundschaften, Beziehungen und Feindschaften. Es werden zwar Probleme gelöst, es entwickelt sich jedoch auch ganz neue, was die Staffel schließlich dramatisch enden lässt. Aber vor allem ist das Ende offen – einer dritten Staffel stünde also nichts im Weg.

Um auf den Titel des Artikels zurückzukommen: Ja, die Fortsetzung der Geschichte ist auf jeden Fall sinnvoll! Von vielen Seiten wurde nämlich bei der ersten Staffel beklagt, dass die Serie das Thema Suizid glorifizieren würde. „Ich bin ein Engelchen, bringe mich um und nehme an den bösen Schuldigen Rache“ – so wurde der Inhalt oft (fehl-)interpretiert. Dass die gesamte Thematik weitaus komplexer ist und ein Gefühlschaos aus Wut, Trauer und Verzweiflung bei allen Beteiligten hinterließ, wird in Staffel 2 noch deutlicher gezeigt.

Falls ihr mit psychischen Problemen zu kämpfen habt, denkt bitte gut darüber nach, ob ihr euch diese Serie wirklich anschauen wollt. Sprecht mit euren Eltern, Freunden oder einem Vertrauenslehrer darüber. Hilfe findet ihr außerdem auf 13reasonswhy.info!

Text: Melanie / Bilder: © Netflix

Keine Kommentare

Kommentar veröffentlichen